Medizinische Aspekte | ||
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Mediziner sprechen von Gehörlosigkeit, wenn eine Hörschädigung so gravierend ist, dass gesprochene Sprache auch mit Hilfe eines Hörgerätes oder anderer technischer Hilfsmittel nicht verstanden werden kann. |
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Es gibt folgende Ursachen für Gehörlosigkeit: betreffend): Probleme beim Geburtsvorgang bzw. bei Frühgeburten, z.B. Verletzungen im Kopfbereich bei der Geburt, Sauerstoffmangel des Neugeborenen und schwere Neugeborenengelbsucht. Hirnhaut- und Mittelohrentzündung bzw. Kopfverletzungen durch Stürze und Unfälle.
weitere übertragen werden. Hörstörungen werden audiometrisch in der Maßeinheit Dezibel gemessen.
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Bei einer kulturellen Definition von Gehörlosigkeit ist nicht der Grad der
Hörschädigung ausschlaggebend, sondern die Folgen für das Individuum und
die Gruppe. Denn Gehörlosigkeit ist nichts Absolutes, sie ist vielmehr
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Anfänge der Gehörlosenbildung Im antiken Griechenland wurde der Zusammenhang von Hörschäden und Sprechfähigkeit nicht erkannt. Hippokrates (460 bis ca. 377 v. Chr.) meinte etwa fälschlicherweise, dass die Stummheit mit einem Fehler der Zunge zusammenhänge. Aristoteles (384-322 v. Chr.) hielt das Gehör für das wichtigste Organ für die Belehrung des Menschen. Er war der Meinung, dass Bewusstseinsinhalte nur über die Sinnesorgane aufgenommen werden können, insbesondere das Gehör, und dass taube Menschen daher schwerer zu erziehen seien als blinde. Diese Aussage wurde später dahingehend interpretiert, dass Gehörlose gänzlich bildungsunfähig seien. Sie hielt sich bis ins Mittelalter, obwohl die Kirche keine naturwissenschaftliche Erklärung für den Zusammenhang von Sprachfähigkeit und Hörschäden liefern konnte. Allerdings war die Kirche gleichzeitig durch päpstliche Anordnungen verpflichtet, auch Gehörlosen die Sakramente nicht vorzuenthalten. Aus diesem Grund begannen Mönche in Klöstern erste Bildungsversuche mit Gehörlosen zu unternehmen. Durch den italienischen Philosophen Hieronymus Cardanus (1501-1576), der den ursächlichen Zusammenhang zwischen Hör- und Sprechvermögen erkannte, begann eine neue Ära der Gehörlosenbildung: Gehörlose wurden als bildungsfähig angesehen. Die ersten bekannten Gehörlosenlehrer stammten aus Spanien. Die Arbeit der drei Spanier Pedro Ponce de León (1510-1584), Manuel Ramirez de Carrión (1579 bis ?) und Juan Pablo Bonet (1579-1633) gingen als „Spanische Methode“ in die Geschichte der Erziehung und Bildung Gehörloser ein. Ihr Verfahren basierte darauf, erst die Schrift, dann das Fingeralphabet und schließlich die Lautsprache zu lehren. Es gab allerdings auch in anderen europäischen Ländern erste Versuche, Gehörlosen Bildung angedeihen zu lassen. Gehörlosenbildung in der Aufklärung und Neuzeit In der Zeit der Aufklärung kam es weltweit zu Gründungen von Gehörlosenschulen, die Erziehung und Bildung von Gehörlosen wurde somit institutionalisiert. Einen besonderen Einfluss auf die Entwicklung der Gehörlosenpädagogik hatten die Schulgründungen von Paris (1770), Leipzig (1778) und Wien (1777). Charles Michel de l’Epée (1712-1789) gründete die Schule in Paris und entwickelte die sogenannte „Französische Methode“ der Gehörlosenbildung. Er ging davon aus, dass gehörlose Kinder Sprache nicht auf dieselbe Art erlernen können wie hörende Konder. Die Methode, die seiner Meinung nach diese spezielle Lernsituation am besten berücksichtigte, konnte nur eine visuell-manuelle Methode sein. De l’Epée betrachtete die Gebärdensprache als natürliche Sprache der Gehörlosen, allerdings glaubte er nicht, dass es eine vollwertige Sprache sei. Aus diesem Grund entwickelte er ein spezielles Zeichensystem, um lexikalische, grammatische und syntaktische Kategorien der Lautsprache darstellen zu können. Nach seinem Tod wurde diese Methode von Abbé Sicard (1742-1822) weitergeführt. De l’Epée bildete aber auch gehörlose Gehörlosenlehrer aus, der berühmteste unter ihnen Laurent Clerc, der später die französische Methode in die USA brachte. Samuel Heinicke (1729-1790) gründete 1778 die Gehörlosenschule in Leipzig und entwickelte die so genannte „Deutsche Methode“ (auch „Orale Methode“). Heinicke war der Meinung, dass Gehörlose nur durch das Erlernen der Lautsprache in eine hörende Gesellschaft integriert werden können. Seine Methode schloss die Gebärdensprache und die Verwendung des Fingeralphabets vollkommen aus. Das wichtigste Ziel im Unterricht war für ihn die Vermittlung der Lautsprache, danach die Vermittlung der Schrift. Die Auseinandersetzung, die diese zwei unterschiedlichen Methoden mit sich brachten, ging als „Methodenstreit“ in die Geschichte der Gehörlosenpädagogik ein. Anlässlich des 2. Internationalen Taubstummenlehrerkongresses in Mailand 1880 wurde die Diskussion über die richtige Methode beendet und es wurde beschlossen, die Lautsprache gegenüber der Gebärdensprache im Unterricht vorzuziehen. Damals wurde auch die Anwendung der reinen Artikulationsmethode empfohlen, womit auch die Schriftsprache in den Hintergrund trat. Der Ausschluss der Gebärdesprache wurde zum wichtigsten Kriterium dieser Methode. Der Konflikt zwischen der „Französischen Methode“ und der „Deutschen Methode“ hat auch die jüngeren Entwicklungen in der Gehörlosenpädagogik stark beeinflusst und kann noch immer nicht als beendet angesehen werden. Die Gründe für einen die Gebärdensprache ausschließenden Sprechunterricht waren immer dieselben und konnten trotz wissenschaftlicher Untersuchungen, die das Gegenteil beweisen, bis heute nicht vollkommen aus der Welt geschafft werden. Viele sind nach wie vor der Überzeugung, dass ein rein lautsprachlich orientierter Sprachunterricht Gehörlose vor der Isolation bewahre, während der Einsatz der Gebärdensprache den Lautspracherwerb behindere. Im Jahre 1779 unterzeichnete Maria Theresia das Gründungsdekret für ein Taubstummeninstitut in Wien. Der erste Leiter wurde Friedrich Stork, sein Gehilfe und späterer Nachfolger Joseph May, die beide bei de l’Epée in Paris ausgebildet wurden. Die Gehörlosenschule in Wien wurde berühmt durch ihre „kombinierte Methode“, einen bilingualen Ansatz, der Gebärden-, Laut- und Schriftsprache mit einschloss. Alexander Venus, ein späterer Schuldirektor schrieb 1854: „Geberdensprache war, ist und wird sein, so lange Taubstumme gebildet werden“. Nur wenige Jahre später änderte sich jedoch auch in Österreich die Gehörlosenbildung und die Befürworter der deutschen Methode gewannen immer mehr an Boden. So wurde im Jahre 1866 anlässlich einer Direktorenkonferenz in Wien der rein lautsprachlich orientierte Unterricht für Gehörlose nach deutschem Muster durchgesetzt. Die Gehörlosen protestierten gegen diese Maßnahme im „Taubstummen-Courier“, der ersten G ehörlosenzeitung Österreichs durch den Abdruck von Fachartikeln zum Thema Methodenstreit, die allerdings nichts bewirkten. Auch heute noch wird in Österreich der reine Lautsprachenunterricht favorisiert, Gebärdensprache wird nur marginal zum Einsatz gebracht und hin und wieder werden bilinguale Schulprojekte durchgeführt, die jedoch nicht institutionalisiert werden. Mehr über Gehörlosigkeit | ||