Gebärdensprache - Was ist das?

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Gebärdensprachen der Gehörlosen sind natürlich entstandene Sprachen mit einer eigenen Grammatik. Gebärdensprachliche Texte sind also keine Wort-für-Wort-Übertragungen einer Lautsprache. Oft wird fälschlicherweise angenommen, Gebärdensprache sei universell. In Wirklichkeit unterscheiden sich Gebärdensprachen jedoch von Land zu Land, (z.B. Österreichische Gebärdensprache (ÖGS), American Sign Language (ASL), Deutsche Gebärdensprache (DGS) usw.). Jede nationale Gebärdensprache verfügt außerdem über regionale Ausprägungen, d.h. es gibt sogar Gebärdensprachdialekte.
Der größte Unterschied zwischen Lautsprachen und Gebärdensprachen ist folgender:

  • Lautsprachen verwenden den akustisch-auditiven Kanal.

  • Gebärdensprachen verwenden den manuell-visuellen Kanal.

    Während also in Lautsprachen Laute erzeugt werden, werden Gebärden mithilfe der Hände, des Gesichts und der Kopf- und Körperhaltung gebildet.

  • Die Verwendung des Raums spielt in Gebärdensprachen eine wichtige Rolle. Gebärden und grammatische Strukturen werden hauptsächlich durch die Bewegung der Hände im Gebärdenraum ausgedrückt. Daher kann man Gebärdensprachen auch als ‘räumliche Sprachen’ bezeichnen. Ein weiteres wichtiges grammatisches Charakteristikum ist der Einsatz der Mimik.

    Die Gebärdensprachen der Gehörlosen werden seit etwa drei Jahrzehnten mit den Methoden der modernen Sprachwissenschaft erforscht. Gehörlose ForscherInnen sind bei der Untersuchung von Gebärdensprachen beteiligt; da sie als so genannte „MuttersprachlerInnen“ den besten Zugang zu Sprache und Kultur ihrer Gemeinschaft haben.


    Bis in die 60er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts war man allerdings noch der Meinung, Gebärdensprachen seien nicht mehr als eine Art unkontrollierter Pantomime ohne grammatische Strukturen und mit der Möglichkeit lediglich sehr einfache (konkrete) Inhalte zu vermitteln. Der Grund dafür ist, dass die ForscherInnen die ihnen bekannten grammatischen Formen aus Lautsprachen (Präpositionen, Artikel, Konjugationen u. a.) nicht fanden und daraus falsche Schlüssen zogen.

    Als Begründer der Gebärdensprachlinguistik gilt heute William C. Stokoe, ein Sprachwissenschaftler, der an der Gallaudet Universität in Washington D.C. (USA) arbeitete, der einzigen Universität der Welt für Gehörlose. Er war einer der ersten, der die Gebärden der Gehörlosen sprachwissenschaftlich untersuchte. Er veröffentlichte im Jahre 1960 das Buch “ASL - Sign Language Structure: An Outline of the Visual Communication Systems of the American Deaf” und 1965 das erste Wörterbuch der ASL (American Sign Language). Er entwickelte auch ein Notationssystem für Gebärdensprachen. In seinen Forschungsarbeiten zeigte er u. a. auf, dass einzelne Gebärden aus vier verschiedenen manuellen Parametern bestehen: Handform, Handstellung, Ausführungsstelle und Bewegung.


    Kurz nach Stokoe begann Ursula Bellugi mit ihren Forschungen zur ASL. Bellugi und ihr Ehemann Edward Klima stellten zu ihrer eigenen Überraschung fest, dass die Amerikanische Gebärdensprache über zahlreiche und komplexe grammatische Strukturen verfügt. Lange Zeit war man davon überzeugt, dass der Unterschied in der Modalität von Laut- und Gebärdensprachen auch damit zusammenhängt, dass Gebärdensprachen im Gehirn anders abgespeichert werden, nämlich im den Zentren für Motorik und visuelle Wahrnehmung (rechte Hirnhälfte) und nicht im Sprachzentrum (linke Hirnhälfte). Durch Untersuchungen von hörenden und gehörlosen Patienten mit Sprachkrankheiten aufgrund von Hirnschädigungen konnten sie beweisen, dass für die Kommunikation in Gebärdensprachen, ebenso wie für die in Lautsprachen, die linke Hirnhälfte zuständig ist.


    Die Erforschung der Gebärdensprachen verbreitete sich, ausgehend von den USA auf die ganze Welt. In Europa spielten die skandinavischen Länder eine Vorreiterrolle. In manchen Ländern - zum Beispiel auch in Österreich - hat die Gebärdensprachforschung erst in den 90er Jahren begonnen. Während man sich in den Anfängen der Gebärdensprachforschung vor allem auf die Untersuchung manueller Komponenten konzentrierte, wird heute vermehrt auch den nicht-manuellen wie Mimik, Blickrichtung u. ä. Aufmerksamkeit geschenkt.

    Andere Gebärdensprachen

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